Unternehmen in Österreich und der EU müssen ab 2024 bzw. 2026 ab einer bestimmten Größe eine CO2-Bilanz vorlegen. Ausnahmen gibt es für kleine Betriebe, doch auch diese profitieren zunehmend von freiwilliger Bilanzierung durch Marktdruck und Wettbewerb.
Ab 2024 sind viele Unternehmen in Österreich und der gesamten EU gesetzlich verpflichtet, eine CO2-Bilanz zu erstellen. Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) weitet die Pflichten erstmals auch auf nicht börsennotierte Großunternehmen und bald sogar auf kapitalmarktorientierte kleine und mittlere Unternehmen aus. Unternehmen, die ihre Klimaauswirkungen kennen und kommunizieren, verschaffen sich nicht nur regulatorische Sicherheit, sondern verbessern auch ihre Chancen am Markt und gegenüber Investoren. Gleichzeitig bestehen zahlreiche Ausnahmen und Praxisfragen, die Unternehmen kennen sollten.
- Ab 2024 gilt die CO2-Bilanzpflicht für viele Großunternehmen in der EU durch die CSRD.
- Schwellenwerte wie 250 Mitarbeiter oder 40 Mio. Euro Umsatz bestimmen, wer betroffen ist.
- Viele kleinere Betriebe erstellen freiwillig eine CO2-Bilanz aus Wettbewerbsgründen.
Was ist eine CO2-Bilanz und wann muss sie erstellt werden?
Eine CO2-Bilanz, auch Corporate Carbon Footprint (CCF), ist die systematische Erfassung und Darstellung aller Treibhausgasemissionen, die durch die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens verursacht werden. Die Pflicht zur Erstellung einer CO2-Bilanz ist in der EU maßgeblich durch die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) geregelt, die 2024 in Kraft getreten ist. Betroffen sind Unternehmen, die mindestens zwei der drei folgenden Kriterien erfüllen: mehr als 250 Mitarbeiter, einen Umsatz von mehr als 40 Millionen Euro oder eine Bilanzsumme über 20 Millionen Euro. Auch kapitalmarktorientierte KMU müssen ab 2026 eine solche Bilanz vorlegen. In Österreich besteht darüber hinaus bereits seit geraumer Zeit eine Berichtspflicht nach dem Nachhaltigkeits- und Diversitätsverbesserungsgesetz (NaDiVeG) für große Unternehmen.[1][2][4]
Welche Unternehmen sind von der CO2-Bilanzierungspflicht konkret betroffen?
Erfasst sind seit Inkrafttreten der CSRD alle Unternehmen mit mehr als 250 Angestellten, einem Jahresumsatz von über 40 Millionen Euro oder einer Bilanzsumme ab 20 Millionen Euro – sofern zwei dieser drei Schwellenwerte überschritten werden. Auch bislang ausgenommene Unternehmen wie kleinere Aktiengesellschaften oder größere GmbHs, die nicht börsennotiert sind, werden durch die neuen Regelungen erstmals berichtspflichtig. Ab 2026 kommen kapitalmarktorientierte kleine und mittlere Unternehmen hinzu.[4]
In Österreich wurde diese Berichtspflicht durch das NaDiVeG bereits früher eingeführt, sodass größere Unternehmen im Land mit den Anforderungen bislang vertraut sind.[1]
Gibt es Ausnahmen oder Sonderregelungen?
Unternehmen, die die definierten Schwellenwerte nicht übertreffen, sind von der verpflichtenden CO2-Bilanz ausgenommen. Das betrifft vor allem kleine und mittlere Unternehmen ohne Kapitalmarktorientierung. Allerdings wächst der Druck auch auf diese Betriebe an, freiwillig den eigenen CO2-Fußabdruck offenzulegen. Gründe dafür sind vor allem Anforderungen großer Kunden, Ausschreibungsbedingungen oder Vorgaben in der Lieferkette.[2]
Was bedeutet die CO2-Bilanzpflicht für Unternehmen in der Praxis?
Für die betroffenen Unternehmen ist die CO2-Bilanz vor allem ein Instrument, das Transparenz über direkte und indirekte Emissionen schafft. Es verschafft einen Überblick darüber, wo im Unternehmen CO2 ausgestoßen wird und wie sich diese Emissionen reduzieren lassen. Viele Unternehmen nutzen die Bilanzierung inzwischen auch, um Vorteile bei öffentlichen Vergaben, bei Förderungen oder im Rahmen von Green Finance zu sichern. Investitionsentscheidungen und Kreditvergaben werden zunehmend an die Offenlegung von Klimadaten, darunter CO2-Bilanzen, geknüpft.[1]
Auch wenn für viele Kleinbetriebe keine gesetzliche Pflicht besteht, führen immer mehr Unternehmen eine CO2-Bilanz ein, weil sie am Markt ohne diesen Nachweis schlechtere Chancen haben oder von Auftraggebern dazu angehalten werden.[2]
Typische Probleme und Herausforderungen bei der CO2-Bilanzierung
Gerade kleine Unternehmen stehen vor organisatorischen und finanziellen Hürden: Die komplexen Anforderungen an Datenerhebung, Dokumentation und Berichterstattung verursachen zusätzlichen Aufwand. Zudem sind manche der erforderlichen Daten – etwa aus Lieferketten – schwer zugänglich oder gar nicht standardisiert vorhanden. Der hohe Ressourcenbedarf für die erstmalige Umsetzung einer CO2-Bilanz wird immer wieder als Herausforderung genannt.[1]
Aktuelle Entwicklungen: Ausweitung der Berichtspflicht und Marktdruck
Mit der Einführung und Ausweitung der CSRD werden die Berichtspflichten weiter gefasst und erstmals auch für nicht börsennotierte Unternehmen sowie kapitalmarktorientierte KMU verpflichtend.[4] Der Trend geht deutlich in Richtung mehr Transparenz und Nachweispflicht; der unternehmerische Handlungsspielraum wird dadurch einerseits eingeschränkt, eröffnet aber andererseits Chancen: Unternehmen, die frühzeitig glaubwürdige CO2-Bilanzen veröffentlichen, profitieren von Wettbewerbsvorteilen und stärken ihr nachhaltiges Image.
Praxisbeispiele: Wie Unternehmen von der CO2-Bilanz profitieren
Viele österreichische Unternehmen berichten davon, dass sie durch die CO2-Bilanz erstmals Transparenz über ihre energiebedingten Emissionen gewinnen und gezielte Maßnahmen zur Reduktion umsetzen können. Insbesondere Unternehmen, die ihre Emissionen freiwillig offenlegen, berichten von Vorteilen im Wettbewerb und beim Zugang zu Investoren oder neuen Märkten. Die Integration von Klimadaten in Firmenentscheidungen wird zunehmend zum Erfolgsfaktor – etwa bei Ausschreibungen oder im Supply-Chain-Management.[2]
Chancen für Unternehmen durch CO2-Bilanzierung
Die CO2-Bilanz bietet neben der Erfüllung von Berichtspflichten viele praktische Vorteile: Sie ermöglicht den systematischen Einstieg ins Klimamanagement, sorgt für Kostentransparenz, Identifikation von Energieeinsparpotenzialen und positioniert das Unternehmen gegenüber Geschäftspartnern als nachhaltig und zukunftsorientiert. Für viele Unternehmen wird die Klimabilanz damit zum strategischen Steuerungsinstrument.
Fazit: Warum sich Unternehmen jetzt mit CO2-Bilanzierung beschäftigen sollten
Die Pflicht zur CO2-Bilanzierung betrifft in nächster Zeit einen Großteil österreichischer und europäischer Unternehmen ab einer bestimmten Größe. Auch kleinere Betriebe sehen sich mit wachsendem Druck aus dem Markt konfrontiert, freiwillig Bilanz zu ziehen. Die transparente Erfassung des CO2-Fußabdrucks birgt erhebliche Chancen: Wer sich frühzeitig mit den Anforderungen befasst, profitiert von Imagegewinnen, kann Förderungen sichern und seine Wettbewerbsfähigkeit stärken.
Quellen
[1] Welche Unternehmen müssen eine CO2-Bilanz erstellen? (WEKA, 2023-06-12)
[2] CO2-Bilanzierung: Pflichten und Chancen für Unternehmen (Energieinstitut an der JKU Linz, 2022-03-08)
[4] Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD): Nachhaltigkeitsberichterstattung für Unternehmen (Bundesregierung Deutschland, 2023-01-18)



















