Eine THG-Bilanz im Unternehmen erfasst systematisch alle relevanten Treibhausgas-Emissionen und bildet die Basis für Klimamanagement und regulatorische Berichterstattung. Mit klaren Schritten, von der Datensammlung bis zur Maßnahmenplanung, wird Transparenz geschaffen und die CSRD-Compliance sichergestellt.
Eine Treibhausgas-Bilanz (THG-Bilanz) ist für Unternehmen in Österreich und der gesamten EU zur zentralen Voraussetzung für strukturiertes Klimamanagement und die Erfüllung neuer regulatorischer Vorgaben wie der CSRD geworden. Die systematische Erstellung einer THG-Bilanz ermöglicht es, Klimawirkungen messbar zu machen, Einsparpotenziale zu identifizieren und zugleich Berichtsanforderungen gegenüber Gesetzgebern, Geschäftspartnern und Kunden zu erfüllen. Unternehmen, die sich mit diesem Instrument auseinandersetzen, gewinnen damit entscheidende Transparenz für ihre strategische Entwicklung und sichern ihre Regulierungs-Compliance.
- Die THG-Bilanz folgt klaren, nachvollziehbaren Schritten von der Datenerhebung bis zur Auswertung.
- Typische Problemfelder sind die Datenqualität und insbesondere Scope-3-Emissionen aus der Lieferkette.
- Durch die CSRD müssen immer mehr Unternehmen die THG-Bilanzierung etablieren und systematisieren.
Was ist eine THG-Bilanz und welchen Nutzen hat sie?
Eine THG-Bilanz ist eine systematische Erfassung und Berechnung aller Treibhausgasemissionen, die im Zusammenhang mit den Aktivitäten eines Unternehmens entstehen. Ziel ist es, sowohl direkte als auch indirekte Emissionen zu dokumentieren und so ein umfassendes Bild der Klimawirkung des Unternehmens zu erhalten. Sie dient nicht nur als Nachweis zur Erfüllung regulatorischer Vorgaben, etwa der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), sondern bildet auch die Basis für nachhaltiges, zukunftsorientiertes Klimamanagement. Transparenz über die eigenen Emissionen ermöglicht gezielte Reduktionen und eine verbesserte Marktpositionierung, da Nachhaltigkeit zunehmend zu einem Wettbewerbsvorteil wird [5].
Wie läuft die THG-Bilanzierung im Unternehmen Schritt für Schritt ab?
Der Prozess der THG-Bilanzierung lässt sich in sieben praxisbewährte Schritte gliedern. Der erste Schritt besteht darin, das Ziel, den organisatorischen Rahmen und die Verantwortlichkeiten für den Bilanzierungsprozess festzulegen. Anschließend werden die relevanten Emissionsquellen ermittelt, das heißt jene Prozesse, Aktivitäten oder Bereiche im Unternehmen, die Treibhausgase verursachen. Typische Quellen sind Energieverbräuche (Strom, Wärme, Kraftstoffe), Transport, Geschäftsreisen, Rohstoffe und Vorprodukte, Abfälle und Abwasser [2]. Nach der Identifikation werden die notwendigen Daten durch interne Systeme oder externe Partner erhoben und aufbereitet.
Im nächsten Schritt müssen für jede Emissionsquelle geeignete Emissionsfaktoren bestimmt werden. Diese Faktoren, oft berechnet nach internationalen Standards wie dem Greenhouse Gas Protocol, geben an, wie viel CO2-Äquivalente durch eine bestimmte Tätigkeit verursacht werden [3]. Anschließend werden die Emissionen berechnet, indem die erfassten Mengen mit den Emissionsfaktoren multipliziert werden. Danach folgt die Dokumentation und Auswertung: Die Ergebnisse sollten nachvollziehbar festgehalten und für weitere Berichte sowie interne Planungen aufbereitet werden. Aus den Ergebnissen lassen sich Maßnahmen und Ziele für das weitere Klimamanagement ableiten [1].
Welche Daten und Standards sind für eine THG-Bilanz unverzichtbar?
Für eine fundierte, prüfbare THG-Bilanz sind unterschiedliche Datentypen notwendig. In erster Linie gehören dazu Angaben zu den Energieverbräuchen des Unternehmens, insbesondere Strom, Heizenergie und Kraftstoffe. Ergänzend werden Daten zu Transportaufkommen, Geschäftsreisen, Materialeinsatz, Rohstoffen und Vorprodukten, Abfallentsorgung sowie Abwasser benötigt. Die systematische Erfassung orientiert sich dabei meist an international anerkannten Standards wie dem Greenhouse Gas Protocol, das für die Einordnung der Emissionen drei sogenannte Scopes vorsieht: Scope 1 umfasst direkte Emissionen aus eigenen Quellen, Scope 2 bezieht sich auf indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie, und Scope 3 inkludiert sonstige indirekte Emissionen, etwa aus der Lieferkette [3].
Welchen Einfluss haben regulatorische Vorgaben wie die CSRD?
Mit der Umsetzung der CSRD in nationales Recht werden auch in Österreich immer mehr Unternehmen verpflichtet, eine THG-Bilanz zu erstellen und im Rahmen der Nachhaltigkeitsberichterstattung offenzulegen. Die CSRD fordert erstmals eine einheitliche, vergleichbare und umfassende Berichterstattung über klimarelevante Daten und Maßnahmen. Für Unternehmen bedeutet das, systematische Prozesse für die Datenerfassung, Auswertung und Prüfung ihrer THG-Bilanzen zu etablieren [4]. Das bringt nicht nur neue Anforderungen, sondern bietet auch Chancen: Wer frühzeitig mit einer belastbaren THG-Bilanz startet, kann regulatorische Risiken minimieren und ineffiziente Klimamanagementmaßnahmen vermeiden.
Wie profitieren Unternehmen praktisch von einer THG-Bilanz?
Der Nutzen einer THG-Bilanz geht weit über die regulatorische Pflicht hinaus. Unternehmen erhalten volle Transparenz über ihre eigenen Klimaauswirkungen und können gezielt Ansatzpunkte für die Reduktion von Emissionen identifizieren. So werden sowohl Kosten als auch Risiken reduziert. Eine solide THG-Bilanz ist zudem ein wichtiges Instrument für die Kommunikation gegenüber Kunden, Partnern und Investoren, da sie die Nachhaltigkeitsleistungen belegbar macht und die Wettbewerbsfähigkeit unterstützt. Darüber hinaus erschließt eine laufende, standardisierte Bilanzierung den Zugang zu Klimaschutzinitiativen, Partnerprogrammen und kann Voraussetzung für bestimmte Zertifizierungen sein [5].
Typische Probleme: Herausforderungen bei der Datenerhebung und Scope 3
Viele Unternehmen stoßen bei der Erstellung ihrer THG-Bilanz auf Schwierigkeiten, insbesondere im Bereich der Datenerhebung und bei der Bestimmung passender Emissionsfaktoren. Das gilt umso mehr für Scope-3-Emissionen, also für indirekte Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, wo Informationen von Lieferanten benötigt werden und Daten oft unvollständig oder schwer vergleichbar sind. Dies stellt die größte Hürde für eine belastbare Bilanzierung dar, da die Datengüte über die Qualität und Aussagekraft der THG-Bilanz entscheidet [3].
Aktuelle Entwicklungen: Digitales Klimamanagement und neue Pflichten
Die Digitalisierung hat auch in der THG-Bilanzierung Einzug gehalten: Moderne Datenplattformen und spezialisierte Software-Lösungen vereinfachen den Erhebungs- und Auswertungsprozess erheblich [5]. Parallel wächst mit der CSRD und weiteren europäischen Vorgaben der Kreis der Unternehmen, die zur Erstellung und Veröffentlichung ihrer Treibhausgasbilanzen verpflichtet sind [4]. Unternehmen sollten daher frühzeitig auf digitale Lösungen setzen und nachhaltige Prozesse implementieren, um den steigenden Anforderungen gewachsen zu sein.
Ausblick: Mit systematischer THG-Bilanzierung die Zukunft gestalten
Die THG-Bilanz ist längst nicht mehr nur ein Instrument für Großunternehmen oder nachhaltigkeitsaffine Betriebe, sondern wird in den kommenden Jahren für praktisch alle Unternehmen in Österreich ein Muss. Mit einer klar strukturierten Vorgehensweise und der Unterstützung digitaler Tools lässt sich der Aufwand beherrschbar machen – und Unternehmen gewinnen einen entscheidenden Hebel für Klimaeffizienz, Wettbewerbsfähigkeit und Compliance. Die Energiewende verlangt handfestes Klimamanagement: Eine fundierte THG-Bilanz ist der unverzichtbare erste Schritt, um die nächsten Jahre proaktiv, ressourcenschonend und regulatorisch sicher zu gestalten.
Quellen
[1] THG-Bilanzierung in Unternehmen – so gelingt sie in 7 Schritten (UFH, 2023-02-21)
[2] THG-Bilanz: Definition, Erstellung und Tipps (Fokus Zukunft, 2023-08-21)
[3] Treibhausgasbilanzierung für Unternehmen – Ein Leitfaden für die Praxis (ecocockpit/Effizienz-Agentur NRW, 2022-05-01)
[4] Wie Unternehmen ihren CO2-Fußabdruck messen – THG-Bilanz Schritt für Schritt (KlimAktiv Blog, 2023-10-12)
[5] THG-Bilanz einfach erklärt: Schritt für Schritt zur CO2-Bilanz Ihres Unternehmens (denkstatt, 2023-09-07)



















